Kommunikation
21. Juli 2022 | Aktualisiert am 2. Apr. 2026 | 8 Min Lesezeit

Unternehmenszweck formulieren

Barmettler Thomas
Thomas Barmettler
Content Strategist
Unternehmenszweck Neustadt Illustrationen

Ein klar formulierter Unternehmenszweck ist die Grundlage für Klarheit in der Kommunikation gegen innen wie aussen und damit ein wichtiges Werkzeug für effektives Wachstum.

Dieser Artikel zeigt, wie du einen belastbaren Unternehmenszweck entwickelst: Von der Begriffsklärung über ein praxiserprobtes Schritt-für-Schritt-Vorgehen bis zu konkreten Werkzeugen und typischen Fehlern. Alles, was du brauchst, um überzeugend formulieren zu können: «Wofür stehen wir?»

Was ist ein Unternehmenszweck?

Der Unternehmenszweck, auch Purpose genannt, beschreibt den Grund oder das übergeordnete Ziel, weshalb ein Unternehmen existiert. Er definiert, was ein Unternehmen tut, wen es bedient und wie es sich von seinen Mitbewerbenden unterscheidet.

Ein gut formulierter Unternehmenszweck gibt Orientierung: von strategischen Entscheidungen bis hin zur Unternehmenskultur.

Zudem ist es ein wichtiges Instrument für die Kommunikation mit Kund:innen, Investoren und anderen Interessengruppen und kann dazu beitragen, das Vertrauen und die Loyalität der Stakeholder zu gewinnen.

Zweck, Mission, Vision, Ziele: Was ist was?

Diese vier Begriffe werden häufig verwechselt oder vermischt. 
Dabei haben sie unterschiedliche Funktionen:

  • Der Zweck gibt die Richtung und den Sinn vor.
  • Die Mission übersetzt ihn ins Operative.
  • Die Vision zeigt das langfristige Bild.
  • Die Ziele definieren, woran Fortschritt gemessen wird.

Unternehmenszweck (Purpose)

Die langfristige, identitätsstiftende Frage: «Warum existieren wir? Welchen Beitrag leisten wir?» — Der Zweck muss langfristig tragen.

Vision

Das Zukunftsbild: «Wohin wollen wir langfristig?» — Die Vision beschreibt einen angestrebten Zustand in fünf bis zehn Jahren.

Mission

Die operative Ebene: «Was tun wir konkret, und für wen?» — Die Mission beschreibt, mit welchem Angebot und für welche Zielgruppe das Unternehmen seinen Zweck erfüllt.

Ziele

Die konkrete, messbare Ebene: «Was messen wir wann?» — Ziele sind zeitgebunden, spezifisch und überprüfbar.

Warum ein klarer Zweck sich auszahlt

Ein präzise formulierter Unternehmenszweck hat konkrete Wirkung, sofern er ernsthaft entwickelt und angewendet wird:

  • Strategische Entscheidungen vereinfachen sich. Was dem Zweck dient, wird priorisiert; was nicht passt, wird leichter abgelehnt.
  • Kommunikation wird kohärenter. Von der Website über Sales-Gespräche bis zu Stelleninseraten: Ein gemeinsamer Nenner sorgt für Konsistenz und schafft die Grundlage für einen strukturierten Markenaufbau.
  • Die Unternehmenskultur gewinnt an Konsistenz. Mitarbeitende wissen, wofür sie arbeiten. Das stärkt Identifikation und Orientierung.
  • Employer Branding wird glaubwürdiger. Wer seinen Zweck leben kann, gewinnt und hält Menschen, die ihn teilen.
  • Differenzierung wird leichter. Was ein Unternehmen antreibt, ist schwerer kopierbar als Produkte oder Preise.

Unternehmenszweck formulieren

In 6 Schritten zum belastbaren Unternehmenszweck 

Schritt 1: Ausgangslage klären

Bevor du formulierst, kläre den Kontext: Was bieten wir an? Wem? Welche Probleme lösen wir konkret? Wo liegen unsere Stärken und wo unsere Grenzen?

Sammle alle bestehenden Formulierungen (Leitbild, Website, Präsentationen) und halte fest, wo aktuelle Widersprüche liegen.

Hilfreich: Binde relevante Stakeholder frühzeitig ein: Geschäftsleitung, Marketing, Sales und auch HR. Der Zweck muss von innen getragen werden.

Schritt 2: Kundenperspektive erheben

Der häufigste Fehler: Unternehmen formulieren den Zweck aus der Innensicht. Doch Kundschaft nimmt den Beitrag oft anders wahr.

Die wertvollsten Erkenntnisse kommen dabei selten aus klassischen Umfragen oder Marktforschung. Die bessere Quelle: Sprich mit den Personen, die täglich Kundenkontakt haben. Sie wissen aus Hunderten von Gesprächen, welche Argumente zünden, in welchem Moment jemand überzeugt ist und vor allem: Warum.

Tipp: Frage (und suche) dabei nach Mustern, nicht nach Einzelfällen.

Direkte Kundeninterviews können sinnvoll ergänzen. Vor allem um Formulierungen zu validieren oder intern Rückhalt für den Prozess zu schaffen. 

Schritt 3: Innenperspektive strukturieren

Parallel zur Kundensicht: Was hat das Unternehmen von Beginn an angetrieben? Welche Überzeugungen teilen die Menschen, die es prägen? Welche Entscheidungen aus der Vergangenheit zeigen, wofür das Unternehmen wirklich steht?

Schritt 4: Sich vom Wettbewerb abheben

Die Gefahr dabei, vorneweg: Der Blick auf den Wettbewerb führt oft zu reinem Benchmarking und damit in die Me-too-Falle.

Die Kraft liegt in der Gegenrichtung: Was schreiben sich die anderen auf die Fahne? Genau dort nicht antreten. 

Märkte werden gesättigter, Produkte ähnlicher: Wer wachsen will, muss den eigenen Platz klar besetzen, nicht den der anderen bestätigen.

Schritt 5: Hypothesen verdichten

Verdichte nun die Insights aus den unterschiedlichen Perspektiven in zwei bis drei Kernhypothesen und teste sie entlang der Qualitätskriterien (siehe Checkliste weiter unten). Sortiere aus, was zu generisch, zu intern oder zu wenig unterscheidend ist.
 

Schritt 6: Verankern und anwenden

Ein Zweck, der nur in einer Powerpoint steht, nützt wenig. Lege fest, wie er sich in Sprache, Kultur und Strategie zeigt: Wie sprechen wir auf der Website darüber? Wie in Stelleninseraten? Wie in Kundengesprächen? Welche Entscheidungsregeln leiten sich aus ihm ab? Erst wenn sich der Unternehmenszweck auch in Markenwerten, visueller Erscheinung und Brand Voice niederschlägt, wird er im Alltag tatsächlich wirksam.»

Marco Stocker, CEO Neustadt Agentur AG

Du entwickelst gerade eine neue Positionierung oder Wachstumsstrategie?

Ein klar definierter Purpose ist das strategische Fundament dafür. Neustadt begleitet dich von der Analyse bis zur Umsetzung.

Marco Stocker
CEO

Methoden zur Entwicklung des Unternehmenszwecks

Zur Erarbeitung können unterschiedliche Modelle eingesetzt werden. Neben dem bekannten Golden Circle eignen sich etwa «Jobs to Be Done» oder das «Hedgehog Concept». 

Auch eine Kombination daraus kann sinnvoll sein: Der Golden Circle schärft den Sinn, «Jobs to Be Done» den Kundennutzen und das «Hedgehog Concept» die strategische Schärfe. 

Richtig eingesetzt helfen sie, komplexe Zusammenhänge zu verdichten und den Unternehmenszweck in eine klare strategische Leitidee zu überführen.

Golden Circle

Das Modell von Simon Sinek strukturiert die Reflexion entlang von drei Fragen:

– Was tun wir?
– Wie tun wir es?
– Und warum tun wir es?

Es eignet sich gut als Einstieg, weil es den Blick vom Angebot auf die eigentliche Daseinsberechtigung des Unternehmens lenkt. Wichtig: Das «Warum» nicht zu abstrakt formulieren.

Jobs to Be Done

Der von Clayton Christensen geprägte Ansatz rückt nicht das Produkt ins Zentrum, sondern den konkreten Fortschritt, den Kundinnen und Kunden mit einem Angebot erreichen wollen.

Er hilft dabei, den Unternehmenszweck stärker aus Sicht der Kundschaft zu formulieren und näher an echten Problemen und Motiven zu bleiben.

Hedgehog Concept

Das Modell von Jim Collins verbindet drei Fragen:

– Worin können wir die Besten sein?
– Was begeistert uns zutiefst?
– Was ist der Motor unserer Wirtschaftlichkeit?

Der Ansatz hilft, einen Unternehmenszweck zu formulieren, der nicht nur inspirierend klingt, sondern auch strategisch Substanz hat. Er schützt damit vor generischen Aussagen, die zwar gut gemeint, aber austauschbar sind.

Beispiele aus der Praxis

Unternehmenszwecke unterscheiden sich je nach Branche deutlich. Die nachfolgenden Beispiele aus der Praxis zeigen, wie grosse und bekannte Marken ihren Unternehmenszweck formulieren:

Nike

«To bring inspiration and innovation to every athlete in the world.»

Deutsche Übersetzung: «Alle Athletinnen und Athleten dieser Welt inspirieren und ihnen Innovationen bieten.»

Patagonia

«Build the best product, cause no unnecessary harm, use business to inspire and implement solutions to the environmental crisis.»

Deutsche Übersetzung: «Das beste Produkt herstellen; keine unnötigen Schäden verursachen; das Geschäft nutzen, um zu Lösungen für die Bewältigung der Umweltkrise zu inspirieren und diese umzusetzen.»

Google

«To organize the world's information and make it universally accessible and useful.»

Deutsche Übersetzung: «Die Informationen dieser Welt organisieren und sie allgemein zugänglich und nützlich machen.»

IKEA

«To create a better everyday life for many people.»

Deutsche Übersetzung: «Ein besseres tägliches Leben für viele Menschen schaffen.»

Typische Fehler und wie man sie vermeidet

Die Praxisbeispiele zeigen, dass der Unternehmenszweck weit über die reine Gewinnmaximierung hinausgeht und ein höheres Ziel verfolgt. Ein gut formulierter Unternehmenszweck kann also dazu beitragen, Mitarbeitende zu motivieren, Kundinnen und Kunden zu gewinnen und das Image des Unternehmens zu verbessern.

Vorsicht:

Ein Purpose, der zu abgehoben ist und sich nicht im Produkt wiederfindet, ist reine Lyrik und wird keine Wirkung entfalten.

Beispiel:

«Wir wollen die Welt besser machen.» Das ist keine Haltung, sondern ein Platzhalter. Gut gemeint, aber nichtssagend. Was genau besser? Für wen? Und was leistet das eigene Produkt oder Angebot dahingehend?

Qualitätscheck

9 Kriterien für ein gutes Purpose Statement

  1. Nutzen sichtbar: Für wen leisten wir was? Der Beitrag ist klar und gleichzeitig inspirierend.
  2. Nicht austauschbar: Könnte dieses Statement auch ein direkter Wettbewerber unterschreiben? Wenn ja, zu generisch.
  3. Keine reine Beschreibung des Angebots: Der Zweck sagt «warum», nicht «was» – das ist Aufgabe der Mission.
  4. Kein Slogan: Der Zweck ist eine Erklärung, kein Werbespruch.
  5. Intern anerkannt: Mitarbeitende erkennen sich darin wieder und können ihn erklären.
  6. Keine übertriebenen Versprechen: «Die Welt besser machen» ist kein Zweck. Was genau besser? Für wen? Wie?
  7. Zeitlos formuliert: Der Zweck sollte auch in ein paar Jahren noch stimmen, unabhängig von konkreten Produkten.
  8. Ohne Buzzwords: «innovativ», «nachhaltig», «kundenorientiert», das sagen alle.
  9. Handlungsrelevant: Kann man Entscheidungen damit treffen? Wenn der Zweck bei konkreten Fragen nicht weiterhilft, ist er zu abstrakt.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenszweck und Mission?

Der Unternehmenszweck (Purpose) beantwortet das «Warum»: Warum existiert das Unternehmen, welchen Beitrag leistet es? Die Mission beantwortet das «Was» und «Für wen»: Was tut das Unternehmen konkret, für welche Zielgruppe, mit welchem Angebot? Der Zweck ist die übergeordnete, langfristige Ebene; die Mission übersetzt ihn ins Operative.

Brauchen auch kleine KMU einen Unternehmenszweck?

Ja, gerade KMU profitieren davon. Ein klarer Zweck hilft, Prioritäten zu setzen, die richtigen Mitarbeitenden zu gewinnen und konsistenter nach aussen aufzutreten. Er muss nicht in einem aufwändigen Prozess entstehen; oft reicht ein strukturierter halbtägiger Workshop.

Wie lang sollte ein Zweck-Statement sein?

Idealerweise ein bis zwei prägnante Sätze. Lang genug, um konkret zu sein; kurz genug, um aus dem Gedächtnis zitierbar zu sein. Alles, was eine Minute zum Vorlesen braucht, ist zu lang.

Kann der Zweck sich verändern?

In der Regel selten und nur dann, wenn sich das Geschäftsmodell grundlegend verändert oder das Unternehmen sich in einem komplett neuen Marktumfeld bewegt. Kleinere Formulierungsanpassungen sind normal. Der Kern aber sollte stabil bleiben.

Was, wenn intern keine Einigkeit besteht?

Das ist kein Versagen, sondern ein wertvolles Signal. Unterschiedliche Perspektiven auf den Zweck zeigen, wo das Unternehmen selbst noch Klärungsbedarf hat. Ein moderierter Workshop schafft hier oft überraschend schnell Konsens, vorausgesetzt, die richtigen Personen sind dabei.

Wie messe ich, ob der Unternehmenszweck wirkt?

Direkte Messung ist schwierig, indirekte Indikatoren schon eher: Wie konsistent ist die Kommunikation über Kanäle hinweg? Können Mitarbeitende den Zweck erklären? Wird er in Entscheidungsdiskussionen tatsächlich herangezogen? Und: Spiegelt ihn das Feedback von Kundschaft und Bewerbenden wider?

Nächste Schritte

Je nachdem, wo du gerade stehst, gibt es verschiedene sinnvolle Wege:

Du willst deinen Purpose als Fundament für Positionierung und Wachstum nutzen?

 Neustadt begleitet dich als erweitertes Marketingteam von der strategischen Klärung über die Positionierung bis zur Umsetzung in Kommunikation und Marke. 

Du hast ein konkretes Projekt mit Termindruck? 

Neustadt moderiert den Purpose-Workshop, finalisiert die Texte und leitet daraus direkt Kernbotschaften für Website, Employer Branding oder Pitch ab. 
 

Du hast bereits einen Purpose, weisst aber nicht, wie du ihn in der täglichen Kommunikation verankerst? 

Neustadt übersetzt den Zweck in konkrete Botschaften, Themen, Formate und Kanäle, damit er nicht im Leitbild verstaubt.

Auf der Suche nach dem Sinn und Zweck?

Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihren Zweck präzise, glaubwürdig und wirksam zu formulieren. Lass dich unverbindlich beraten!